Sonntag, 13. August 2017

Impressionen aus England und Wales

Von 4. bis 10. August war ich mit meiner Nichte in Großbritannien. Wir haben zuerst für zwei Tage eine Bekannte in Tenbury Wells, einem kleinen Städtchen in Worcestershire, besucht und sind dann mit dem Zug nach Cardiff weitergefahren. Dort haben wir uns nicht nur die Stadt angesehen, sondern auch Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Außer Penarth und Caerphilly haben wir auch das Bücherdorf Hay-on-Wye besucht, das ich aber in einem separaten Beitrag vorstellen werde.

Wir hatten eine tolle und sehr abwechslungsreiche Zeit in Cardiff. Das Wetter war einigermaßen gnädig zu uns - wir hatten zwar nur selten Sonnenschein, aber zum Glück auch nur ab und zu Regen.
Ich kann im Grunde alles von dem, was wir uns angesehen haben, empfehlen, aber die Highlights waren neben Hay-on-Wye meiner Meinung nach Penarth Pier und Caerphilly Castle. Sehr schön war auch die Doctor Who Experience, die aber leider mit 7. September 2017 schließen wird.

Die folgenden Fotos sollen euch einen kleinen Eindruck von unserer Woche vermitteln:


Bei unserer Bekannten am Stadtrand von Tenbury Wells




Bei der Tenbury Countryside Show 




Blick auf die Stadt Ludlow



Cardiff Bay

Roald Dahl Platz


Gedenktafel bei Ianto's Shrine (Cardiff Bay war Drehort der Serie "Torchwood")

Doctor Who Experience






Auf dem Weg von Cardiff Bay nach Penarth



Penarth Pier




Mit dem Bus durch den Nationalpark Brecon Beacons



Cardiff Castle 





Llandaff Cathedral



Caerphilly Castle



 

Samstag, 12. August 2017

Walisischer Bücherzuwachs

Spätabends am Donnerstag sind meine Nichte und ich von unserem Urlaub in England und Wales zurückgekehrt. Da ich noch am Sichten der vielen Fotos bin und nicht weiß, wie ich alles zusammenfassen soll, ohne euch in den nächsten Tagen ganz damit zu erschlagen, beginne ich meinen Reisebericht mit meiner Bücherausbeute.


Wir waren am Dienstag im Bücherdorf Hay-on-Wye - einem kaum 2000-Seelen-Dorf mit über 20 Buchhandlungen/Anitquariaten - und haben uns dort sehr ausgiebig mit Büchern eingedeckt. Eindrücke aus Hay werden die nächsten Tage noch folgen; nun geht es erst einmal um die Bücher:


Ihr seht: Es ist ein ziemlicher Stapel geworden. Ich glaube nicht, dass ich jemals so viele Bücher in so kurzer Zeit gekauft habe, aber ich hatte diesmal auch gar nicht vor, mich große einzubremsen. Zugegeben, mein Einkauf in Hay war nicht sehr zielgerichtet und geplant. Zwar hatte ich ein paar Bücher meiner Wunschliste im Kopf, die nur noch gebraucht erhältlich sind, aber als ich diese nicht gefunden habe, habe ich letztendlich sehr spontan zugegriffen. Die Bücher haben großteils zwischen 2 und 4 Pfund gekostet; vielleicht hätte ich mit Preisvergleichen zwischen verschiedenen Antiquariaten günstiger aussteigen können, aber darauf hatte ich schlichtweg keine Lust (zumal wir aufgrund der schlechten Busverbindungen zwischen Cardiff und Hay auch nicht so viel Zeit dort hatten).

Und nun zu meiner Ausbeute im Detail:

Victoria Hislop - Cartes Postales from Greece
Das erste Buch ist eines, das ich nicht in Hay gekauft habe, sondern im Waterstones in Cardiff. Es geht darin um eine Frau, die jede Woche eine Postkarte aus Griechenland von einem unbekannten Absender bekommt und letztendlich selbst zu einer Reise nach Griechenland aufbricht.
Das Buch klingt nach einer richtig schönen Sommerlektüre und ist auch schön gestaltet mit blauem Buchschnitt und vielen Fotos.

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses
Vor Jahren habe ich von Susanna Kearsley ein Buch gelesen, das ich sehr mochte ("Mariana"). Als ich daher ein sehr gut erhaltenes Exemplar eines Romans von ihr erspäht habe, war gleich mein Interesse geweckt. Es soll eine Mischung aus Mystery, Fantasy und Romance sein; als ich dann noch Schottland, Archäologie und neunte Legion gelesen habe, musste ich zugreifen.

Sharon Shinn - Mystic and Rider
Auch auf dieses Buch bin ich durch die Autorin (mir haben The Shape-Changer's Wife und Summers at Castle Auburn sehr gut gefallen) aufmerksam geworden. Dieser Roman dürfte eher klassische High Fantasy sein; leider habe ich erst nach dem Kauf gemerkt, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt.

Nevil Shute - A Town Like Alice
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Titel von der BBC Big Read-Liste. Mit Alice ist dabei die australische Stadt Alice Springs gemeint. Der Roman ist teils in Australien, teils in Malaysia zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt.

Amie Kaufman & Jay Kristoff - Illuminae
Dieser Roman ist schon länger auf meiner Wunschliste, da er sehr faszinierend gestaltet ist (eine Collage aus E-Mails, Protokollen, Interviews, etc.). Inhaltlich weiß ich nicht sehr viel mehr, als dass die zwei Hauptfiguren auf einem Raumschiff von einem Planeten evakuiert werden, auf dem Krieg ausgebrochen ist.

Frances Hardinge - The Lie Tree
Mir wurde zwar nicht dieses Buch, aber die Autorin von Birthe empfohlen, daher habe ich zugegriffen, als ich dieses schöne Cover gesehen habe. Ich habe den Roman gleich in Wales zu lesen begonnen und bisher ist er sehr interessant. Es geht um die Tochter eines Archäologen, die mit ihrer Familie auf eine abgelegene Insel zieht, um einem Skandal rund um die Forschungen ihres Vaters zu entkommen. Der Roman ist im 19. Jahrhundert angesiedelt, enthält aber phantastische Elemente.

Louisa May Alcott - Little Women
Hierzu muss ich wohl nicht viel schreiben. Ein absoluter Klassiker, den ich schon längst einmal lesen möchte (bisher kenne ich nur die Verfilmung).

Joan Aiken - The Wolves of Willoughby Chase
Ein Kinderbuchklassiker in einem alternativ-historischen Setting, auf den ich durch Fire and Hemlock aufmerksam wurde.



Soweit also mein SuB-Zuwachs aus dem Urlaub. Nun bräuchte ich am besten gleich noch einmal Urlaub, um all die Bücher zu lesen. 

Und das ist übrigens die Ausbeute meiner Nichte (man sieht, wir haben uns nicht gerade gegenseitig aufgehalten):


Dienstag, 1. August 2017

Buchstabengeplauder #81 - Unternehmungen zum Urlaubsbeginn

Urlaub! :-)

Vergangenen Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag für zwei Wochen und am Samstag ging es gleich mal zu meiner Familie. Dort habe ich den ganzen Nachmittag lesend im Garten verbracht - ich hatte Unterleuten von Juli Zeh mit dabei, das mir nach einem etwas zähen Einstieg nun sehr gut gefällt. Am Abend habe ich mit meiner Nichte stundenlang über Bücher geredet, ehe wir gemeinsam die letzten Folgen des neunten und die ersten Folgen des zehnten Doctors miteinander angeschaut haben (meine Nichte bereitet sich auf die "Doctor Who Experience" in Cardiff vor). Ach, es ist so schön, nicht mehr der einzige Nerd in der Familie zu sein!

Am Sonntag habe ich dann mit einer Freundin einen Ausflug nach Steyr gemacht. Wir waren zuerst im sehr interessanten Museum Arbeitswelt, das wir bei dem heißen Sommerwetter ganz für uns allein hatten, und sind dann noch durch die Stadt gebummelt. Steyr liegt am Zusammenfluss der Enns und der Steyr und hat eine sehr schöne Altstadt - wenn es euch also mal nach Oberösterreich verschlägt, solltet ihr euch die Stadt nicht entgehen lassen.



Am Nachmittag haben wir dann die Geburtstage meiner Neffen gefeiert und spontan ein kleines Sommer"kino" im Garten aufgebaut - bei einer Fußball-EM nicht nur ins Viertelfinale zu kommen, sondern dieses sogar zu gewinnen, ist schließlich für Österreich alles andere als üblich. Das hat sogar die Fußballmuffel der Familie wie mich mitgerissen (während ein paar Fans, die sonst kaum ein Spiel auslassen, wenig Interesse gezeigt haben - ist ja "nur" Frauenfußball %-)).

Nach diesem sehr ausgefüllten Wochenende bin ich dann gestern noch nach Salzburg gefahren, wo ich mit einer Freundin den Tag mit einem gemütlichen Frühstück im "The Heart of Joy" begonnen habe.


Gut gestärkt sind wir dann zu einer Wanderung durch die Glasenbachklamm aufgebrochen. Da wir bei der falschen Busstation ausgestiegen sind, hatten wir zuerst aber einen strammen Fußmarsch in der prallen Sonne zu bewältigen. Als wir dann eineinhalb Stunden später verschwitzt und erschöpft in der Klamm angekommen sind, wurden wir immerhin von kühlem Schatten belohnt.
Der Weg durch die Klamm war sehr schön und spannend: Die Glasenbachklamm hat neben einer malerischen Landschaft auch alte Felsformationen aus dem Mesozoikum zu bieten.


gefaltete Kalkschichten

roter Knollenkalk über grauem Hornsteinknollenkalk

Am Abend ging es dann nach Wien zurück, wo ich von der drückenden Hitze in der Stadt schier erschlagen wurde. Nun heißt es also, diese Temperaturen irgendwie bis Freitag zu überleben (und mich bei 37 Grad noch zu einer Putzaktion aufzuraffen), ehe es dann in die West Midlands von England sowie nach Wales geht.
Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage noch ein paar ausstehende Rezensionen schreiben werde, aber spätestens ab Freitag ist es hier also erst einmal für eine Woche still.

Wie war euer Wochenende? Und was sind eure Überlebensstrategien für dieses Wetter (sofern es bei euch ebenfalls so heiß ist)?

Samstag, 29. Juli 2017

Patricia A. McKillip - The Bell at Sealey Head


erschienen bei Orion Books


In der kleinen Küstenstadt Sealey Head läutet jeden Tag eine Glocke, die niemand sehen kann. Während die meisten Bewohner schon länger nicht mehr über dieses Mysterium nachdenken, sucht ein junger Reisender alleine dafür die Stadt auf. Aber die Glocke ist nicht das einzige Rätsel von Sealey Head: In dem Herrenhaus Aislinn House öffnen sich manchmal Türen zu einer fremden Burg.


"The Bell at Sealey Head" beginnt wie so viele Romane von Patricia McKillip mit Rätseln und Geheimnissen, um die herum sich ihre Figuren gruppieren:
Die Händlerstochter Gwyneth schreibt Geschichten über die unsichtbare Glocke, ist aber mit keiner der Erklärungen, die sie sich ausdenkt, zufrieden. Der Reisende und Gelehrte Ridley Dow wird alleine von diesen Rätseln nach Sealey Head gelockt und versucht, diese zu ergründen. Dabei hilft ihm Judd, der Sohn seines Herbergswirten, der immer schon fasziniert war von der Glocke und eher Bücher im Kopf hat als die praktischen Belange der Herberge.
Das zweite Rätsel, das aber ebenfalls mit der Glocke verknüpft zu sein scheint, sind die Türen von Aislinn House. Während die alte Hausherrin im Sterben liegt, öffnen sich für das Dienstmädchen Emma Türen zu einer Burg, die mit ihren seltsamen Ritualen ein Rätsel für sich ist. Emma trifft hier eine Prinzessin, die gegen alle Widerstände als einzige die Rituale zu hinterfragen beginnt.
Als Miranda Beryl, die Erbin von Aislinn House, nach Sealey Head kommt, beginnen sich die Geheimnisse allmählich aufzudecken - was für die Beteiligten alles andere als ungefährlich ist.

Für mich war das eines der bislang besten Bücher von Patricia McKillip. Obwohl es so voller Rätsel steckt, ist es doch weniger verworren als manche andere ihrer Romane, und die einzelnen Fäden werden logisch zusammengeführt. Dabei ergeben sich überraschende Zusammenhänge und Wendungen, die alle auf einen gemeinsamen Höhepunkt hinsteuern.

Dank der sympathischen Figuren fällt es nicht schwer, sofort in die Geschichte einzutauchen. Judd, Gwyneth und Emma sind interessante, liebenswerte und teils etwas schrullige Figuren mit einem hohen Identifikationspotenzial. Sie stellen das bodenständige Gegengewicht zu Ridley, Miranda und der Prinzessin Ysabo dar, die selbst von Geheimnissen umgeben sind und schließlich auch im Zentrum der Auflösungen stehen.
Das Ende an sich ist vielleicht ein klein wenig überhastet, aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich habe.

"The Bell at Sealey Head" ist ein ungewöhnlicher Fantasyroman voll leiser Magie und rätselhaften Ereignissen - und ein Beweis dafür, dass es nicht immer dicke Wälzer oder endlose Serien in diesem Genre braucht: Auf knapp 300 Seiten entfaltet Patricia McKillip eine Geschichte von überraschender Komplexität mit wunderbaren, dreidimensionalen Figuren. Von meiner Seite also eine wärmste Leseempfehlung!

Donnerstag, 27. Juli 2017

[Wiener Streifzüge] Mistelbach: Museum + Dionysosweg

Diesen kleinen Streifzug habe ich bereits im Herbst 2016 unternommen, aber wie so viele Touren hat er noch keinen Eingang auf dem Blog gefunden.

Grund für meinen Abstecher nach Mistelbach war das Urgeschichtemuseum MAMUZ mit einer Sonderausstellung über Stonehenge, die nun aufgrund des Erfolgs in die zweite Saison geht. Der zweite MAMUZ-Standort ist Asparn an der Zaya mit einem umfangreichen Ausstellungsbereich und einem Freilichtmuseum. In Asparn war ich bereits vor einigen Jahren, daher hatte ich dieses Mal nur Mistelbach als Ziel.
Man erreicht das Museum von Wien aus mit der Schnellbahnlinie S2 und dann einem kurzen Fußweg quer durch Mistelbach.

Kleine Gässchen in Mistelbach

Die Ausstellung über Stonehenge war zwar ganz interessant, aber weniger umfangreich als erwartet. Da ich nun schon hier war, schaute ich mir daher gleich noch zwei weitere Bereiche an: das Hermann Nitsch Museum, das im selben Gebäude wie das MAMUZ untergebracht ist, sowie der Dionysosweg, der hinter dem Museum beginnt.

Hermann Nitsch war bei uns in der Schule ein großes Thema - als bedeutender Vertreter des Wiener Aktionismus und aufgrund seiner kontroversen Aktionen, die ihn nicht nur international bekannt machten, sondern ihn auch mehrmals ins Gefängnis brachten, kam man im Kunstunterricht um ihn herum. Ich kann jetzt ebenso wenig mit ihm anfangen wie damals in der Schule, aber das Museum war doch faszinierend. Die Ausstellung war interessant aufgebaut und informativ und ich hatte sie - abgesehen von ein paar verirrten Stonehenge-Besuchern, die nach kurzem verschreckt wieder von dannen zogen - ganz für mich allein.
Letztendlich hat dieses Museum mehr Eindruck bei mir hinterlassen als die so hochgejubelte Stonehenge-Ausstellung.

Einer der Ausstellungsräume

Nach dieser Ladung an Kultur sehnte ich mich noch nach etwas Natur und machte mich auf zum Dionysosweg. Dabei handelt es sich um einen Themenweg, der durch Weingärten, über Äcker und vorbei an Viehweiden führt. Von den Obstspalieren darf man ausdrücklich naschen und zwischendurch gibt es immer wieder auch Stationen zu den Themen Dionysos und Sinne.
Man kann dort auch einen Picknickkorb mit heimischen Produkten vorbestellen, was ich für eine sehr nette Idee halte.


Spiegelspielereien mit Dionysos-Masken
Herbstblätter



Alles in allem war der Streifzug eine nette Mischung aus Museen und Spaziergang. Beim Dionysosweg gibt es einiges zu erkunden - ich musste mich leider etwa ab der Hälfte etwas beeilen, da sich dicke Regenwolken zusammenballten.
Sicher kein Muss für die ersten Wienbesuche, aber eine abwechslungsreiche Nachmittagsgestaltung für kleine Ausflüge von Wien aus.