Sonntag, 18. Februar 2018

Lesesonntag im Februar

Endlich schaffe ich es, bei einem von Winterkatzes monatlichen Lesesonntagen (immer der 3. Sonntag im Monat) zumindest ein bisschen mit dabei zu sein, da ich außer Lesen auch noch einiges andere vorhabe.

Ich lese derzeit ein Buch, das im Februar neu bei mir eingezogen ist und zwar Das Leuchten am Rand der Welt von Eowyn Ivey. Ich bin über dieses Buch eher zufällig gestolpert, als ich im Januar mit meiner Nichte gemütlich in einer Buchhandlung gestöbert habe. Mir ist das Cover ins Auge gesprungen und dann der Name der Autorin (von Eowyn Ivey hat mir Das Schneemädchen sehr gut gefallen). Also habe ich das Buch zur Hand genommen, hineingeblättert und dabei ist mir gleich das Herz aufgegangen:



Es geht darin um eine Expedition entlang des Wolverine Rivers in Alaska 1885, die in Briefen, Tagebucheinträgen, Bildern und Zeitungsartikeln erzählt wird. Ich hätte das Buch damals beinahe vom Fleck weg gekauft, mich aber doch noch zurückgehalten, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade so viel anderes gelesen habe. Im Februar habe ich es mir nun gegönnt und auch sofort zu lesen begonnen. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich hoffe, dass ich heute damit etwas weiterkomme.

Parallel lese ich Gösta Berling von Selma Lagerlöf, das ich als recht skurril empfinde, und Anna Karenina als Hörbuch. Vermutlich werde ich aber auch noch ein ebook beginnen, da ich in den letzten Tagen immer "Gösta Berling" unterwegs mit dabei hatte und mir dieser Wälzer dafür einfach zu unhandlich und schwer ist. 

Ich werde jetzt dann gleich ins Weltmuseum fahren, wo heute im Rahmen des Welttags der Fremdenführer eine Freundin von mir Sonderführungen anbietet. Leider verlockt das Wetter mich nicht besonders, die Wohnung zu verlassen - es ist mal wieder kalt, grau und nebelig. Immerhin habe ich mir aber inzwischen ein bisschen Frühling in die Wohnung geholt.



Ich mache mich nun auf die Socken und melde mich hier später wieder.


Update um 16:00

Ich bin wieder zurück und bin froh, dass ich mich trotz Sonntagsfaulheit und schlechtem Wetter noch aufgerafft habe, ins Museum zu fahren. Meine Freundin hat eine sehr interessante Führung über die Reisen der Habsburger Franz Ferdinand, Ferdinand Maximilian (der spätere Kaiser von Mexiko) und Kronprinz Rudolf sowie die Geschichte der Sammlungen des Weltmuseums gemacht. Ansonsten habe ich mich nur kurz im Museum umgeschaut, das erst Ende 2017 neueröffnet wurde, da es mir heute zu wuselig dort war. Das hole ich dann lieber an einem "normalen" Museumstag nach.

Unterwegs habe ich noch mit dem ebook Bücherstadt von Akram El-Bahay begonnen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie logisch ich das Setting - eine riesige unterirdische Bibliothek in einer vorindustriellen Gesellschaft - finde. Es gibt einen Grund, weshalb Tiefspeicher erst im 20. Jahrhundert üblich wurden: Die Kombination von gezwungenermaßen vielen Öllampen und Fackeln mit Büchern ist nicht die beste und auch das Klima lässt in Kellerräumen meist eher zu wünschen übrig (wobei Feuchtigkeit in einem eher wüstenhaften Setting vielleicht nicht so sehr das Problem sein dürfte wie hierzulande). 
Aber vielleicht sehe ich das gerade zu kritisch. Sonst kann ich noch nicht sehr viel zum Buch sagen, da ich noch nicht sehr weit bin. Jetzt gibt es bei mir erst einmal ein spätes Mittag- bzw. frühes Abendessen.


Update um 21:00

Ich habe heute Abend noch ein wenig bei Das Leuchte am Rand der Welt weitergelesen. Was mir an dem Buch (unter anderem) so gut gefällt, ist, dass man die Expedition aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Einerseits ist da der Bericht von Allen Forrester, andererseits gibt es auch Tagebucheinträge und Briefe seiner Frau Sophie, die in Vancouver zurückgeblieben ist und schließlich kommt noch eine Ebene in der Gegenwart dazu, da sich ein Erbe Forresters mit dem Kurator des Historischen Museums von Alpine über die Dokumente austauscht. Man vergisst beim Lesen tatsächlich, dass es sich dabei um Fiktion handelt und diese Expedition so nie stattgefunden hat.

Ansonsten habe ich aber den späten Nachmittag und Abend wieder einmal mit meiner Weltkarte verbracht. Ich weiß nicht genau, wie es geschehen ist, aber irgendwie hat eins zum anderen geführt und aus einer Karte der Inseln, auf denen meine Romane spielen, wurde eine Karte der weiteren Umgebung und schließlich eine tatsächliche Weltkarte. Von fertig bin ich noch weit entfernt und ich bastle auch weiterhin halbherzig an der Plattentektonik herum - einerseits finde ich so etwas sehr spannend und hätte gern eine bessere Vorstellung davon, welche Gebirge wie entstanden sind, aber andererseits scheitere ich daran, selbst eine plausible Kontinentaldrift zu entwerfen. Meine Tektonik ist also bislang eine Mischung aus Recherche und Handgewedel.
Wenn ich dann irgendwann mal die Gebirge habe, werde ich mich als nächstes dem Klima zuwenden.
Und klar, natürlich habe ich mir das im Kleinen schon für die besagten Inseln überlegt (sonst hätte ich dort schwerlich Geschichten ansiedeln können), aber ich habe einfach Lust darauf, das in größere Zusammenhänge einzubetten.

Ich weiß, dass die meisten Menschen so etwas für ein sehr seltsames Hobby halten, aber für mich war das Weltenbasteln immer schon der Teil des Schreibens, der mir fast am meisten Spaß gemacht hat. Und damit meine ich nicht nur Fantasy. Auch bei meinen Pferdegeschichten früher konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen, Parcourspläne für Springturniere zu entwerfen, mir die Abstammung der Pferde zu überlegen (ja, ein ganzes Zuchtbuch zu führen) und Umgebungskarten des Reitstalls zu zeichnen.

Ich glaube, bei mir ist dieses Entwerfen von Welten der eigentliche Auslöser des Schreibens, meine Form der Inspiration - insofern ist es wohl kein Wunder, dass es mit dem Schreiben nicht mehr geklappt hat, als ich mich ganz und gar darauf konzentrieren und meine knapp bemessene Freizeit nicht mit Weltenbasteln "verschwenden" wollte. Auch dem Malen und Zeichnen habe ich mich in erster Linie immer deshalb gewidmet, um auf diese Weise meine Welt illustrieren zu können.
Gut, dass ich das nun auch endlich erkannt habe, nachdem ich einige Jahre so darunter gelitten habe, dass mir meine Kreativität abhanden gekommen war. Dabei hatte ich nur den Schwerpunkt auf die falschen Dinge gelegt bzw. die Inspiration an den falschen Stellen gesucht.

Nach diesen vielen Worten lasse ich euch noch ein Bild der Welt in Hammer-Aitoff-Projektion da - es handelt sich dabei aber noch um ein work-in-progress.


Und damit verabschiede ich mich für heute, bedanke mich für den gemeinsamen Lesetag und wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend!

Samstag, 17. Februar 2018

Kristina Gehrmann - Im Eisland 1. Die Franklin-Expedition

erschienen bei Hinstorff


Am 19. Mai 1845 brachen die beiden Expeditionsschiffe Erebus und Terror unter dem Kommando von Sir John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln. Die Schiffe waren auf dem neuesten Stand der Technik, der Vorrat sollte die Mannschaft für mindestens drei Jahre versorgen können, die Männer waren voller Zuversicht und das Interesse der Öffentlichkeit enorm. 
Dennoch scheiterte die Expedition katastrophal - die Schiffe verschwanden im Eis und trotz groß angelegter Such-Expeditionen konnte niemand aus der Mannschaft gerettet werden. Es dauerte Jahre, ehe Spuren der Expedition entdeckt wurden und die Gründe für das Scheitern sind bis jetzt nicht restlos geklärt. 

Die Illustratorin Kristina Gehrmann erzählt die Geschichte dieser berühmten Tragödie als Graphic Novel bzw. Comic in drei Bänden, wobei der erste Band die Zeit vom Aufbruch bis zur ersten Überwinterung vor der Beechey- Insel schildert. "Im Eisland Band 1" hat 2016 den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch erhalten, wobei man über die Einordnung sowohl unter Jugendliteratur als auch unter Sachbuch diskutieren kann.

Ich habe bekanntermaßen ein Faible für Polarforschung und kenne dementsprechend die Geschichte der Franklin-Expedition sehr gut, aber ich habe trotzdem Kristina Gehrmanns Umsetzung extrem spannend gefunden. Zunächst war ich skeptisch, ob die Geschichte als Comic funktionieren kann, aber das tut sie - und wie!
In vielen kleinen Szenen und detailreichen Zeichnungen wird der Alltag auf den beiden Schiffen beschrieben und man lernt auch rasch einige Mannschaftsmitglieder genauer kennen, wie etwa Commander James Fitzjames, Francis Crozier, Kapitän der Terror und den Schiffsjungen Tommy Evans. Die Autorin versteht es, mit ihren Zeichnungen sowohl die Gefühle der Männer als auch zwischenmenschliche Szenen einzufangen. Mir sind die Expeditionsteilnehmer sehr schnell ans Herz gewachsen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich richtig mit ihnen mitgefiebert habe, obwohl mir ja das weitere Schicksal bekannt ist. 

Vom Zeichenstil her sind die Figuren eher simpel gehalten und manche von ihnen wirken zu kindlich, aber sie sind doch gut voneinander zu unterscheiden und man kann die verschiedenen Personen bald problemlos auseinanderhalten. Die polaren Landschaften sind toll gelungen - man kann die klirrende Kälte fast durch die Seiten spüren. 

Ich kann den Auftakt zu Gehrmanns Trilogie allen wärmstens empfehlen! Das Comic ist historisch gut recherchiert, bietet viel Hintergrundwissen und bringt einem die verschiedenen Expeditionsteilnehmer rasch näher. Die Geschichte ist spannend erzählt und hält eine sehr gut Balance zwischen Abenteuer, Humor, Trauer und drohender Gefahr. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten beiden Bände zu lesen.

Montag, 12. Februar 2018

Frances Hodgson Burnett - A Little Princess

erschienen bei Dreamscape Media
ungekürzte Lesung von Colleen Prendergast
woher: Audible

Sara Crew muss Indien und ihren geliebten Vater verlassen, um in einem englischen Internet zur feinen Dame erzogen zu werden. Sie findet schnell Freunde in der Schule und obwohl die strenge Schulleiterin Miss Minchin sie nicht mag, erfüllt sie Sara ihres reichen Vaters wegen doch jeden Wunsch. Das alles ändert sich, als schlechte Nachrichten aus Indien kommen und Sara sich fortan als Dienstmagd in der Schule verdingen muss.


Frances Hodgson Burnett hat mit Sara Crew eine ganz zauberhafte Heldin entworfen. Sara ist warmherzig, unvoreingenommen, wissbegierig und unglaublich fantasievoll. Sie denkt sich gern Geschichten aus und versetzt sich so intensiv in diese hinein, dass sie für sie beinahe zur Realität werden. Die Autorin beschreibt so anschaulich, wie Sara in ihren Geschichten leben, dass man selbst beim Lesen ganz darin eintauchen kann. In der Schule reagieren die Mädchen sehr unterschiedlich auf Saras lebhafte Fantasie: einige sind ganz davon fasziniert und bewundern Sara; andere wiederum finden sie seltsam und überheblich oder sind auf sie neidisch. So macht sie sich schnell Freunde, aber auch Feinde.

Ihre engsten Freundinnen sind die scheue Dienstmagd Becky und ihre Mitschülerin Ermengarde, die Schwierigkeiten beim Lernen hat. Die beiden halten auch dann noch zu Sara, als sie allen Reichtum verloren hat. Auch ihre Geschichten sind Sara ein Trost, als sie nun in einer engen, dunklen Kammer wohnen muss und mit Hunger und Kälte zu kämpfen hat. 
Es hat mich fasziniert, wie der Autorin hier die Balance zwischen der kindlichen Fantasiewelt und der harten Realität gelingt. So stellt Sara sich vor, sie wäre eine Gefangene in der Bastille oder ein Soldat im Krieg, um besser mit ihrem trostlosen Alltag umgehen zu können. Die Vorstellung, eine Prinzessin zu sein, hilft ihr schließlich, auf Ungerechtigkeiten mit Höflichkeit und Respekt zu reagieren - sehr zum Missfallen von Miss Minchin, die Sara aus der Reserve locken möchte. 
Trotzdem können die Geschichten nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr Sara immer wieder unter ihrer Situation leidet. Es gibt Szenen, die tieftraurig oder höchst ungerecht und wirklich hart zu lesen sind. 

"A Little Princess" ist ein wunderschönes Kinderbuch, das ich vom Anfang bis zum Ende genossen habe. Sicher, die Figuren sind teils ein bisschen schwarz-weiß geraten, aber nicht eindimensional gezeichnet. Und auch die Botschaften, die darin vermittelt werden, sind zwar schlicht, aber nicht banal und zudem auch zeitlos. Mir hat der Roman noch besser gefallen als The Secret Garden, da er meiner Meinung nach besser die Balance zwischen schönen und traurigen Szenen hält und das Ende weniger simpel ist.

Sehr gelungen ist auch die Hörbuchfassung mit einer sehr angenehmen, einfühlsamen Lesung von Colleen Prendergast.
Ich bin sehr froh, dass ich diesen Roman nun endlich gelesen habe (bislang kannte ich noch nicht einmal eine der filmischen Umsetzungen) und kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft noch öfter dazu greifen werde.

Montag, 5. Februar 2018

Buchstabengeplauder #3/2018

Lebensgeplauder

Hat irgendwer vielleicht meine Motivation gesehen und kann sie bitte einfangen? Ich habe den Eindruck, dass ich gerade ganz in meinem alljährlichen Februartief angekommen bin, auch wenn ich mich vielleicht gerade unproduktiver fühle als ich es tatsächlich bin. So war die vorige Woche in der Arbeit sehr intensiv, da ich eine Ausbildungswoche betreut habe - diesmal nicht am Wolfgangsee, sondern in Wien - und oft bis spät in den Abend hinein eingespannt war. Trotzdem habe ich meistens brav mein tägliches Schreibpensum geschafft und auch sonst so einiges erledigt.
Aber ich muss mich derzeit immer erst zu allem selbst überreden, habe das Gefühl, dass ich in der Arbeit nur im Schneckentempo vorankomme und neige fürchterlich zu schlechter Laune. So habe ich mich etwa schon die ganze letzte Woche auf ein Treffen mit Freundinnen heute Abend gefreut, das nun leider nicht stattfinden konnte - und damit war für mich schon wieder den ganzen Tag jegliche Motivation davongefegt. Es nervt mich meist selbst am meisten, wenn ich in so einer Stimmung bin, aber ich finde es beruhigend, dass ich jedes Jahr rund um den Jänner/Februar so eine Phase habe und diese dann auch immer wieder vorübergeht.

Lesegeplauder

Immerhin hat sich mein Stimmngstief bislang nicht auf meine Lektüre ausgewirkt. Gestern habe ich Mord braucht Reklame von Dorothy L. Sayers ausgelesen, das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Ich würde fast sagen, dass das bislang einer meiner liebsten Lord Peter Wimsey-Krimis ist.
Auch The Wolves of Willoughby Chase von Joan Aiken gefällt mir bislang sehr gut, auch wenn ich bei dem Buch nun einige Tage pausiert habe.
Nach Hörbüchern ist mir hingegen aktuell gar nicht - vor allem ist mir gerade überhaupt nicht nach Handarbeiten, wodurch ich dann kaum je zu Hörbüchern greife. Deshalb bin ich bei Anna Karenina kaum vorangekommen, aber mal sehen, was der restliche Monat so bringt.

Schreibgeplauder

Ich finde nun immer besser wieder ins Schreiben hinein, auch wenn ich mich täglich davor drücken möchte. Wenn ich dann aber mal angefangen habe, läuft es meist doch ganz gut. Die Plotlücken in "Bühnenrätsel" werden immer kleiner und ich habe einige Ideen, wie ich manche Szenen umstellen kann, damit die Handlungsstränge besser funktionieren.
Dabei läuft es für meine Protagonisten gerade überhaupt nicht gut. Herun hat zuviel in Angelegenheiten herumgewühlt, die besser ruhen sollten und hat nun die Folgen zu tragen - und Gabran ist gerade ziemlich mit den Nerven fertig, weil er um das Leben seiner Schwester bangen muss. Außerdem habe ich mit Lewo eine Nebenfigur aus dem ersten Band zur Beinahe-Hauptfigur befördert; ich überlege sogar, ihn zu einem Perspektiventräger zu machen.
Ich hoffe mal, dass es jetzt im Februar weiterhin gut läuft mit dem Roman. Die Rohfassung werde ich wohl im Laufe der nächsten Monate beenden können (vielleicht sogar noch im März), aber an die Überarbeitung denke ich lieber erst noch nicht - da kommt nämlich noch einiges auf mich zu.

Samstag, 3. Februar 2018

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses


erschienen bei Allison & Busby
woher: Richard Booth's Bookshop in Hay-on-Wye


Die Archäologin Verity Grey wird zu einer Grabung in ein schottisches Dorf eingeladen. Ihr exzentrischer Arbeitgeber hat sein Leben der Suche nach dem letzten Lager der Neunten Legion gewidmet und glaubt, hier nun fündig geworden zu sein. Bald erfährt Verity, dass nicht archäologische Befunde der Grund für seine Überzeugung sind, sondern ein Dorfjunge, der den Geist eines römischen Legionärs sieht.

Susanne Kearsley hat selbst einige Jahre als Museumskuratorin gearbeitet und das merkt man dem Buch an. Sie schildert realistisch und detailliert den Alltag auf einer archäologischen Grabungsstätte und den Umgang mit Funden. Tatsächlich wird diesem Thema deutlich mehr Raum gewidmet als dem übernatürlichen Handlungsstrang rund um den Geist des Legionärs. Mir hat das sehr gut gefallen, aber ich denke, dass man schon eine gewisse Affinität zur Archäologie mitbringen muss, um das nicht langweilig zu finden.

Auch sonst schlägt der Roman eher ruhige Töne an. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um das Dorf, die Umgebung und die Bewohner zu schildern, bis man die schottische Landschaft beim Lesen beinahe sehen kann.
Durch die seltsamen Vorgänge rund um die Ausgrabungen bekommt die Idylle aber auch unheimliche Untertöne. Verity meint Menschen und Pferde zu hören, die nicht da sind, und stellt bald fest, dass der kleine Robbie sich den römischen Geist nicht nur einbildet.
Was es mit diesem auf sich hat, hat mich letztendlich ein wenig enttäuscht, da man nur wenig über tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit erfährt und rund um die Neunte Legion alle Möglichkeiten offen bleiben. Das ist natürlich ein sehr kluger Schachzug, da die Lösung, die einem eher vage angeboten wird, auf diese Weise nicht mit aktuelleren Forschungsmeinungen in Konflikt gerät.

Die Figuren sind liebevoll, aber recht einfach gezeichnet - das ist dann auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Ich mochte Verity, ihren Arbeitgeber Peter Quinnell und den schottischen Grabungsleiter David sehr gern, hätte mir aber etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Zwischen Verity und David entspinnt sich eine Romanze, die sich früh andeutet, dann aber recht langsam entwickelt. Gegend Ende rückt dann die Liebesgeschichte immer mehr in den Mittelpunkt, was mich aber nicht gestört hat, da ich die Gefühle zwischen den beiden sehr schön und nachvollziehbar beschrieben fand.

"The Shadowy Horses" ist ein sehr ruhiger Roman, der sich viel mit Archäologie und römischer Geschichte beschäftigt und vor diesem Hintergrund sowohl eine Geister- als auch eine Liebesgeschichte erzählt. Vermutlich nicht jedermanns Fall, aber mir hat er trotz mancher Schwächen sehr gut gefallen.