Sonntag, 13. August 2017

Impressionen aus England und Wales

Von 4. bis 10. August war ich mit meiner Nichte in Großbritannien. Wir haben zuerst für zwei Tage eine Bekannte in Tenbury Wells, einem kleinen Städtchen in Worcestershire, besucht und sind dann mit dem Zug nach Cardiff weitergefahren. Dort haben wir uns nicht nur die Stadt angesehen, sondern auch Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Außer Penarth und Caerphilly haben wir auch das Bücherdorf Hay-on-Wye besucht, das ich aber in einem separaten Beitrag vorstellen werde.

Wir hatten eine tolle und sehr abwechslungsreiche Zeit in Cardiff. Das Wetter war einigermaßen gnädig zu uns - wir hatten zwar nur selten Sonnenschein, aber zum Glück auch nur ab und zu Regen.
Ich kann im Grunde alles von dem, was wir uns angesehen haben, empfehlen, aber die Highlights waren neben Hay-on-Wye meiner Meinung nach Penarth Pier und Caerphilly Castle. Sehr schön war auch die Doctor Who Experience, die aber leider mit 7. September 2017 schließen wird.

Die folgenden Fotos sollen euch einen kleinen Eindruck von unserer Woche vermitteln:


Bei unserer Bekannten am Stadtrand von Tenbury Wells




Bei der Tenbury Countryside Show 




Blick auf die Stadt Ludlow



Cardiff Bay

Roald Dahl Platz


Gedenktafel bei Ianto's Shrine (Cardiff Bay war Drehort der Serie "Torchwood")

Doctor Who Experience






Auf dem Weg von Cardiff Bay nach Penarth



Penarth Pier




Mit dem Bus durch den Nationalpark Brecon Beacons



Cardiff Castle 





Llandaff Cathedral



Caerphilly Castle



 

Samstag, 12. August 2017

Walisischer Bücherzuwachs

Spätabends am Donnerstag sind meine Nichte und ich von unserem Urlaub in England und Wales zurückgekehrt. Da ich noch am Sichten der vielen Fotos bin und nicht weiß, wie ich alles zusammenfassen soll, ohne euch in den nächsten Tagen ganz damit zu erschlagen, beginne ich meinen Reisebericht mit meiner Bücherausbeute.


Wir waren am Dienstag im Bücherdorf Hay-on-Wye - einem kaum 2000-Seelen-Dorf mit über 20 Buchhandlungen/Anitquariaten - und haben uns dort sehr ausgiebig mit Büchern eingedeckt. Eindrücke aus Hay werden die nächsten Tage noch folgen; nun geht es erst einmal um die Bücher:


Ihr seht: Es ist ein ziemlicher Stapel geworden. Ich glaube nicht, dass ich jemals so viele Bücher in so kurzer Zeit gekauft habe, aber ich hatte diesmal auch gar nicht vor, mich große einzubremsen. Zugegeben, mein Einkauf in Hay war nicht sehr zielgerichtet und geplant. Zwar hatte ich ein paar Bücher meiner Wunschliste im Kopf, die nur noch gebraucht erhältlich sind, aber als ich diese nicht gefunden habe, habe ich letztendlich sehr spontan zugegriffen. Die Bücher haben großteils zwischen 2 und 4 Pfund gekostet; vielleicht hätte ich mit Preisvergleichen zwischen verschiedenen Antiquariaten günstiger aussteigen können, aber darauf hatte ich schlichtweg keine Lust (zumal wir aufgrund der schlechten Busverbindungen zwischen Cardiff und Hay auch nicht so viel Zeit dort hatten).

Und nun zu meiner Ausbeute im Detail:

Victoria Hislop - Cartes Postales from Greece
Das erste Buch ist eines, das ich nicht in Hay gekauft habe, sondern im Waterstones in Cardiff. Es geht darin um eine Frau, die jede Woche eine Postkarte aus Griechenland von einem unbekannten Absender bekommt und letztendlich selbst zu einer Reise nach Griechenland aufbricht.
Das Buch klingt nach einer richtig schönen Sommerlektüre und ist auch schön gestaltet mit blauem Buchschnitt und vielen Fotos.

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses
Vor Jahren habe ich von Susanna Kearsley ein Buch gelesen, das ich sehr mochte ("Mariana"). Als ich daher ein sehr gut erhaltenes Exemplar eines Romans von ihr erspäht habe, war gleich mein Interesse geweckt. Es soll eine Mischung aus Mystery, Fantasy und Romance sein; als ich dann noch Schottland, Archäologie und neunte Legion gelesen habe, musste ich zugreifen.

Sharon Shinn - Mystic and Rider
Auch auf dieses Buch bin ich durch die Autorin (mir haben The Shape-Changer's Wife und Summers at Castle Auburn sehr gut gefallen) aufmerksam geworden. Dieser Roman dürfte eher klassische High Fantasy sein; leider habe ich erst nach dem Kauf gemerkt, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt.

Nevil Shute - A Town Like Alice
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Titel von der BBC Big Read-Liste. Mit Alice ist dabei die australische Stadt Alice Springs gemeint. Der Roman ist teils in Australien, teils in Malaysia zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt.

Amie Kaufman & Jay Kristoff - Illuminae
Dieser Roman ist schon länger auf meiner Wunschliste, da er sehr faszinierend gestaltet ist (eine Collage aus E-Mails, Protokollen, Interviews, etc.). Inhaltlich weiß ich nicht sehr viel mehr, als dass die zwei Hauptfiguren auf einem Raumschiff von einem Planeten evakuiert werden, auf dem Krieg ausgebrochen ist.

Frances Hardinge - The Lie Tree
Mir wurde zwar nicht dieses Buch, aber die Autorin von Birthe empfohlen, daher habe ich zugegriffen, als ich dieses schöne Cover gesehen habe. Ich habe den Roman gleich in Wales zu lesen begonnen und bisher ist er sehr interessant. Es geht um die Tochter eines Archäologen, die mit ihrer Familie auf eine abgelegene Insel zieht, um einem Skandal rund um die Forschungen ihres Vaters zu entkommen. Der Roman ist im 19. Jahrhundert angesiedelt, enthält aber phantastische Elemente.

Louisa May Alcott - Little Women
Hierzu muss ich wohl nicht viel schreiben. Ein absoluter Klassiker, den ich schon längst einmal lesen möchte (bisher kenne ich nur die Verfilmung).

Joan Aiken - The Wolves of Willoughby Chase
Ein Kinderbuchklassiker in einem alternativ-historischen Setting, auf den ich durch Fire and Hemlock aufmerksam wurde.



Soweit also mein SuB-Zuwachs aus dem Urlaub. Nun bräuchte ich am besten gleich noch einmal Urlaub, um all die Bücher zu lesen. 

Und das ist übrigens die Ausbeute meiner Nichte (man sieht, wir haben uns nicht gerade gegenseitig aufgehalten):


Dienstag, 1. August 2017

Buchstabengeplauder #81 - Unternehmungen zum Urlaubsbeginn

Urlaub! :-)

Vergangenen Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag für zwei Wochen und am Samstag ging es gleich mal zu meiner Familie. Dort habe ich den ganzen Nachmittag lesend im Garten verbracht - ich hatte Unterleuten von Juli Zeh mit dabei, das mir nach einem etwas zähen Einstieg nun sehr gut gefällt. Am Abend habe ich mit meiner Nichte stundenlang über Bücher geredet, ehe wir gemeinsam die letzten Folgen des neunten und die ersten Folgen des zehnten Doctors miteinander angeschaut haben (meine Nichte bereitet sich auf die "Doctor Who Experience" in Cardiff vor). Ach, es ist so schön, nicht mehr der einzige Nerd in der Familie zu sein!

Am Sonntag habe ich dann mit einer Freundin einen Ausflug nach Steyr gemacht. Wir waren zuerst im sehr interessanten Museum Arbeitswelt, das wir bei dem heißen Sommerwetter ganz für uns allein hatten, und sind dann noch durch die Stadt gebummelt. Steyr liegt am Zusammenfluss der Enns und der Steyr und hat eine sehr schöne Altstadt - wenn es euch also mal nach Oberösterreich verschlägt, solltet ihr euch die Stadt nicht entgehen lassen.



Am Nachmittag haben wir dann die Geburtstage meiner Neffen gefeiert und spontan ein kleines Sommer"kino" im Garten aufgebaut - bei einer Fußball-EM nicht nur ins Viertelfinale zu kommen, sondern dieses sogar zu gewinnen, ist schließlich für Österreich alles andere als üblich. Das hat sogar die Fußballmuffel der Familie wie mich mitgerissen (während ein paar Fans, die sonst kaum ein Spiel auslassen, wenig Interesse gezeigt haben - ist ja "nur" Frauenfußball %-)).

Nach diesem sehr ausgefüllten Wochenende bin ich dann gestern noch nach Salzburg gefahren, wo ich mit einer Freundin den Tag mit einem gemütlichen Frühstück im "The Heart of Joy" begonnen habe.


Gut gestärkt sind wir dann zu einer Wanderung durch die Glasenbachklamm aufgebrochen. Da wir bei der falschen Busstation ausgestiegen sind, hatten wir zuerst aber einen strammen Fußmarsch in der prallen Sonne zu bewältigen. Als wir dann eineinhalb Stunden später verschwitzt und erschöpft in der Klamm angekommen sind, wurden wir immerhin von kühlem Schatten belohnt.
Der Weg durch die Klamm war sehr schön und spannend: Die Glasenbachklamm hat neben einer malerischen Landschaft auch alte Felsformationen aus dem Mesozoikum zu bieten.


gefaltete Kalkschichten

roter Knollenkalk über grauem Hornsteinknollenkalk

Am Abend ging es dann nach Wien zurück, wo ich von der drückenden Hitze in der Stadt schier erschlagen wurde. Nun heißt es also, diese Temperaturen irgendwie bis Freitag zu überleben (und mich bei 37 Grad noch zu einer Putzaktion aufzuraffen), ehe es dann in die West Midlands von England sowie nach Wales geht.
Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage noch ein paar ausstehende Rezensionen schreiben werde, aber spätestens ab Freitag ist es hier also erst einmal für eine Woche still.

Wie war euer Wochenende? Und was sind eure Überlebensstrategien für dieses Wetter (sofern es bei euch ebenfalls so heiß ist)?

Samstag, 29. Juli 2017

Patricia A. McKillip - The Bell at Sealey Head


erschienen bei Orion Books


In der kleinen Küstenstadt Sealey Head läutet jeden Tag eine Glocke, die niemand sehen kann. Während die meisten Bewohner schon länger nicht mehr über dieses Mysterium nachdenken, sucht ein junger Reisender alleine dafür die Stadt auf. Aber die Glocke ist nicht das einzige Rätsel von Sealey Head: In dem Herrenhaus Aislinn House öffnen sich manchmal Türen zu einer fremden Burg.


"The Bell at Sealey Head" beginnt wie so viele Romane von Patricia McKillip mit Rätseln und Geheimnissen, um die herum sich ihre Figuren gruppieren:
Die Händlerstochter Gwyneth schreibt Geschichten über die unsichtbare Glocke, ist aber mit keiner der Erklärungen, die sie sich ausdenkt, zufrieden. Der Reisende und Gelehrte Ridley Dow wird alleine von diesen Rätseln nach Sealey Head gelockt und versucht, diese zu ergründen. Dabei hilft ihm Judd, der Sohn seines Herbergswirten, der immer schon fasziniert war von der Glocke und eher Bücher im Kopf hat als die praktischen Belange der Herberge.
Das zweite Rätsel, das aber ebenfalls mit der Glocke verknüpft zu sein scheint, sind die Türen von Aislinn House. Während die alte Hausherrin im Sterben liegt, öffnen sich für das Dienstmädchen Emma Türen zu einer Burg, die mit ihren seltsamen Ritualen ein Rätsel für sich ist. Emma trifft hier eine Prinzessin, die gegen alle Widerstände als einzige die Rituale zu hinterfragen beginnt.
Als Miranda Beryl, die Erbin von Aislinn House, nach Sealey Head kommt, beginnen sich die Geheimnisse allmählich aufzudecken - was für die Beteiligten alles andere als ungefährlich ist.

Für mich war das eines der bislang besten Bücher von Patricia McKillip. Obwohl es so voller Rätsel steckt, ist es doch weniger verworren als manche andere ihrer Romane, und die einzelnen Fäden werden logisch zusammengeführt. Dabei ergeben sich überraschende Zusammenhänge und Wendungen, die alle auf einen gemeinsamen Höhepunkt hinsteuern.

Dank der sympathischen Figuren fällt es nicht schwer, sofort in die Geschichte einzutauchen. Judd, Gwyneth und Emma sind interessante, liebenswerte und teils etwas schrullige Figuren mit einem hohen Identifikationspotenzial. Sie stellen das bodenständige Gegengewicht zu Ridley, Miranda und der Prinzessin Ysabo dar, die selbst von Geheimnissen umgeben sind und schließlich auch im Zentrum der Auflösungen stehen.
Das Ende an sich ist vielleicht ein klein wenig überhastet, aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich habe.

"The Bell at Sealey Head" ist ein ungewöhnlicher Fantasyroman voll leiser Magie und rätselhaften Ereignissen - und ein Beweis dafür, dass es nicht immer dicke Wälzer oder endlose Serien in diesem Genre braucht: Auf knapp 300 Seiten entfaltet Patricia McKillip eine Geschichte von überraschender Komplexität mit wunderbaren, dreidimensionalen Figuren. Von meiner Seite also eine wärmste Leseempfehlung!

Donnerstag, 27. Juli 2017

[Wiener Streifzüge] Mistelbach: Museum + Dionysosweg

Diesen kleinen Streifzug habe ich bereits im Herbst 2016 unternommen, aber wie so viele Touren hat er noch keinen Eingang auf dem Blog gefunden.

Grund für meinen Abstecher nach Mistelbach war das Urgeschichtemuseum MAMUZ mit einer Sonderausstellung über Stonehenge, die nun aufgrund des Erfolgs in die zweite Saison geht. Der zweite MAMUZ-Standort ist Asparn an der Zaya mit einem umfangreichen Ausstellungsbereich und einem Freilichtmuseum. In Asparn war ich bereits vor einigen Jahren, daher hatte ich dieses Mal nur Mistelbach als Ziel.
Man erreicht das Museum von Wien aus mit der Schnellbahnlinie S2 und dann einem kurzen Fußweg quer durch Mistelbach.

Kleine Gässchen in Mistelbach

Die Ausstellung über Stonehenge war zwar ganz interessant, aber weniger umfangreich als erwartet. Da ich nun schon hier war, schaute ich mir daher gleich noch zwei weitere Bereiche an: das Hermann Nitsch Museum, das im selben Gebäude wie das MAMUZ untergebracht ist, sowie der Dionysosweg, der hinter dem Museum beginnt.

Hermann Nitsch war bei uns in der Schule ein großes Thema - als bedeutender Vertreter des Wiener Aktionismus und aufgrund seiner kontroversen Aktionen, die ihn nicht nur international bekannt machten, sondern ihn auch mehrmals ins Gefängnis brachten, kam man im Kunstunterricht um ihn herum. Ich kann jetzt ebenso wenig mit ihm anfangen wie damals in der Schule, aber das Museum war doch faszinierend. Die Ausstellung war interessant aufgebaut und informativ und ich hatte sie - abgesehen von ein paar verirrten Stonehenge-Besuchern, die nach kurzem verschreckt wieder von dannen zogen - ganz für mich allein.
Letztendlich hat dieses Museum mehr Eindruck bei mir hinterlassen als die so hochgejubelte Stonehenge-Ausstellung.

Einer der Ausstellungsräume

Nach dieser Ladung an Kultur sehnte ich mich noch nach etwas Natur und machte mich auf zum Dionysosweg. Dabei handelt es sich um einen Themenweg, der durch Weingärten, über Äcker und vorbei an Viehweiden führt. Von den Obstspalieren darf man ausdrücklich naschen und zwischendurch gibt es immer wieder auch Stationen zu den Themen Dionysos und Sinne.
Man kann dort auch einen Picknickkorb mit heimischen Produkten vorbestellen, was ich für eine sehr nette Idee halte.


Spiegelspielereien mit Dionysos-Masken
Herbstblätter



Alles in allem war der Streifzug eine nette Mischung aus Museen und Spaziergang. Beim Dionysosweg gibt es einiges zu erkunden - ich musste mich leider etwa ab der Hälfte etwas beeilen, da sich dicke Regenwolken zusammenballten.
Sicher kein Muss für die ersten Wienbesuche, aber eine abwechslungsreiche Nachmittagsgestaltung für kleine Ausflüge von Wien aus.

Sonntag, 23. Juli 2017

Simon Garfield - Karten! Ein Buch über Entdecker, geniale Kartografen und Berge, die es nie gab

erschienen bei Theiss
woher: Büchereien Wien


Anhand von ausgewählten Karten erzählt Simon Garfield die Geschichte der Kartografie - angefangen von den Weltkarten der Antike über das erste Straßenverzeichnis von London bis hin zu Google Maps. So erfährt man in dem Buch, wie die berühmte Heresford-Karte verkauft werden sollte, um ein undichtes Kirchendach reparieren zu können, wie eine Karte bei der Bekämpfung einer Seuche half und weshalb Computerspiele ein neues Betätigungsfeld für Kartografen sein können.


"Schon wieder ein Buch über Karten?", hat eine Freundin vor kurzem gefragt - ja, und mit Sicherheit nicht das letzte, da das Buch von Simon Garfield wieder einmal eines ist, das zur weiteren Beschäftigung mit der Thematik und der genaueren Vertiefung in einige der von ihm vorgestellten Karten einlädt.
Ich fand diesen gut 500 Seiten dicken Streifzug durch die Geschichte der Kartografie sehr unterhaltsam und informativ. Das Sachbuch richtet sich eher an Einsteiger in diese Thematik, aber man erfährt auch noch viel neues, wenn man sich mit Kartografie bereits ein wenig auseinandergesetzt hat. Die vielen Anekdoten, Skurrilitäten und Irrtümer, die sich mitunter auch hartnäckig in Karten gehalten haben, machen das Buch umso unterhaltsamer.
Besonders gut gefallen hat mir die spürbare Begeisterung, die hinter dem Buch steckt. Ob der Autor nun die reich bebilderten Karten des Mittelalters und der frühen Neuzeit, die Karte des Rumtreibers aus "Harry Potter" oder das ehrgeizige Vorhaben eines Globenbauers beschreibt - immer steckt darin eine Leidenschaft, die wohl auch mit ein Grund ist, weshalb das Buch so unterhaltsam zu lesen ist.

Die beschriebenen Karten sind auch alle ganz oder in Ausschnitten abgebildet, aber hier kommt mein erster Kritikpunkt: Die durchwegs nur schwarz-weißen Abbildungen können oft nur schwer vermitteln, was das besondere mancher Karten ausmacht und führen auch mitunter dazu, dass man die Karten nicht allzu gut erkennen kann. Ich habe mehrmals neben der Lektüre die entsprechenden Karten im Internet recherchiert, um mir ein besseres Bild davon machen zu können.
Damit soll natürlich der Preis des Buches niedrig gehalten werden, aber bei einem Buch, das sich so sehr auch auf die Gestaltung von Karten konzentriert, ist das sehr schade.


Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass der Autor mitunter eine recht eingeschränkt britische Sicht auf das Thema Kartografie hat. Karten aus der Antike werden recht flott abgehandelt (dass etwa die Tabula Peutingeriana oder die Mosaikkarte von Madaba lediglich nebenbei in einem Satz erwähnt werden, empfand ich schon als arges Versäumnis) und sobald dann die ersten britischen Karten auftauchen, konzentriert sich der Autor im wesentlichen darauf und besonders stark auch auf London.
Natürlich sind auch einzelne Karten außerhalb des angelsächsischen bzw. angloamerikanischen Raums Thema, aber diese sind rar gesät und gehen auch kaum über Europa hinaus. 
So spannend die vorgestellten Karten auch sind, fand ich doch die Auswahl nicht ganz ideal - hier hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht.

Alles in allem ein interessantes und locker zu lesendes Buch, das aber auch ein paar Schönheitsfehler aufweist.

Samstag, 22. Juli 2017

Kirsten Hubbard - Wanderlove


erschienen bei Penguin Random House

Nach einer schmerzhaften Trennung scheinen sich alle Zukunftspläne der achtzehnjährigen Bria in Luft aufgelöst zu haben. Um das alles zu vergessen, bucht sie eine Tour durch Guatemala, doch die "Global Vagabonds" sind nicht die abenteuerlichen Reisenden, die sich Bria vorgestellt hätte. Als sich für sie die Gelegenheit ergibt, sich den Backpackern Rowan und Starling anzuschließen, verlässt Bria ihre Gruppe - und bekommt mehr Abenteuer als erhofft.


"Wanderlove" ist genau der richtige Roman für den Sommer und die Reisezeit, in dem es nicht nur um die tatsächliche Reise, sondern sehr stark auch um die innere Reise der Figuren geht. Zentralamerika wird farbenfroh beschrieben, wobei sich das Buch weniger auf bekannte Touristenorte konzentriert als mehr auf kleine Strände, unspektakuläre Orte und unübliche Pfade. Ein Teil der Handlung ist auf der Insel Laughingbird Kaye in Belize angesiedelt und die Autorin konnte diese kleine Insel wirklich anschaulich vor meinem Auge entstehen lassen. Dabei helfen auch die vielen kleinen Zeichnungen, die das Buch schmücken, denn Bria ist eine begeisterte Zeichnerin - und da die Autorin selbst eine Künstlerin ist, sind auch die Bilder von ihr.


Angesichts der Thematik ist es nicht erstaunlich, dass sich das Buch auch kritisch mit Fragen zu Massentourismus und Reisen im Allgemeinen auseinandersetzt. Anfangs werden die Global Vagabonds auf der einen und die Backpacker auf der anderen Seite recht plakativ und übertrieben dargestellt, aber im Laufe des Romans wird das glücklicherweise etwas relativiert. Ähnlich ist es auch mit den Figuren - erscheint Rowan zunächst noch als der typische "bad boy", kommen mehr Graustufen hinzu, als Bria ihn näher kennenlernt. Während er auf der Flucht vor seinen Dämonen ist, hat auch Bria mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Sie hat eine manipulative Beziehung hinter sich, die sehr einfühlsam geschildert wird.

Auf der Reise finden Bria und Rowan nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander. Diese Liebesgeschichte ist zwar schnell zu erahnen, aber Kirsten Hubbard gibt den beiden viel Zeit, einander kennenzulernen und erst einmal eine vorsichtige Freundschaft zu entwickeln. Es hat mir gut gefallen, dass sie beide ausgeprägte Leidenschaften in ihrem Leben haben (Bria das Zeichnen, Rowan neben dem Reisen auch das Lesen und Tauchen) und dabei viel Verständnis für die Interessen des jeweils anderen aufbringen.
Ich finde, dass das Buch auch rein mit Freundschaft gut funktioniert hätte und die Liebesgeschichte nicht unbedingt sein musste, aber sie fügt sich dennoch gut ein.

"Wanderlove" ist ein sehr schönes Buch über das Reisen und das Erwachsenwerden, das Fernweh weckt und Lust macht, zu einer Rucksacktour aufzubrechen.

Sonntag, 16. Juli 2017

Lese-Sonntag mit Winterkatze

Winterkatze veranstaltet heute einen sommerlichen Lese-Sonntag und da ich beim letzten im Juni nicht dabeisein konnte, schließe ich mich heute gerne an.
Ich habe schon am Balkon gefrühstückt - es war zwar draußen nocht recht kühl, aber der blaue Himmel verspricht einen schönen (und vermutlich nicht zu heißen) Tag.


Seit ein paar Wochen besitze ich erstmals einen Standmixer (vorher musste mein Pürierstab für alles herhalten) und seither bin ich total im Smoothie-Fieber bzw. eher im Smoothie Bowl-Fieber. Nicht, weil letztere gerade so im Trend liegen, sondern weil ich mein Frühstück lieber löffle als trinke. Ich richte mich nicht nach irgendwelchen Rezepte, sondern schmeiße rein, was ich gerade so im Haus habe und das gelingt manchmal vorzüglich und manchmal nicht so gut. Die heute Mischung ist leider aus der zweiten Kategorie. Sie enthält etwas Avocado, Marillen, Blattspinat und Gurke, aber das ist für meinen Geschmack doch ein etwas zu hoher Gemüseanteil (zumal die Marillen leider nicht allzu süß sind). Vielleicht hätte ich die Heidelbeeren eher in den Smoothie schmeißen sollen anstatt sie als Topping zu verwenden. 

Nun, wie auch immer, ehe das hier zum Foodblog wird: Als Lektüre gabs dazu Operation Red Jericho von Joshua Mowll. Da ich damit gerade erst begonnen habe, kann ich noch nicht viel dazu sagen, aber die Aufmachung ist toll (vielleicht mach ich später noch ein paar Fotos).

So, jetzt lese ich mal weiter. Bis später!


Update um 13:15

ein kleiner Kartenausschnitt
Ich habe heute Vormittag weniger bei "Operation Red Jericho" weitergelesen als gedacht und bin stattdessen eher beim Hörbuch hängegenblieben, da ich an einer überarbeiteten Karte meiner Fantasywelt rumpinsle (was ziemlich viel Arbeit ist und nicht dadurch erleichtert wird, dass ich früher mit Photoshop gearbeitet habe und nun mit Gimp).
Allerdings wird mich auch mein Hörbuch sicher eine ganze Weile begleiten, da ich mit The Dragonbone Chair von Tad Williams begonnen habe. Ich hatte vor Jahren schon mal in das Buch (auf Deutsch) reingelesen und damals aber nach wenigen Seiten abgebrochen, da es mich nicht gereizt hat.
Nun versuche ich es noch einmal, muss aber gestehen, dass meine Geduld auf eine harte Probe gestellt wird. Nach zweieinhalb Stunden geht mir Simon schon einigermaßen auf die Nerven, während die Handlung noch nicht so recht in Gang kommen möchte. Ich habe allerdings schon von mehreren Seiten gehört, dass die ersten 200 Seiten mühsam sind und es danach besser wird, also bin ich mal optimistisch.

Gerade hatte ich auch schon Mittagessen - Kartoffel-Zucchini-Curry mit Einkorn - und nun werde ich mal eine kleine Blogrunde drehen.   


Update um 19:00

Irgendwie passiert mir das öfter mal an Lesetagen: Ich mache alles mögliche, lese aber kaum. %-)
Zwar habe ich am Nachmittag eine Weile am Balkon bei "Operation Red Jericho" weitergelesen, aber dann war ich spazieren und seit ich zurück bin, war ich die ganze Zeit mit der Karte und mit Gimp beschäftigt. Da ich mit diversen Tutorials herumprobiert habe, habe ich dabei noch nicht mal Hörbuch gehorcht. Mal sehen, ob ich am Abend nun noch zum Lesen komme - abgesehen davon, dass mich gerade die Kartenbastelei mehr interessiert, finde ich auch einfach das Buch noch nicht so fesselnd. So faszinierend auch die Aufmachung ist - Plot und Schreibstil können mich bislang nicht ganz überzeugen.

Und sonst so? Wir haben einen 13. Doctor! Ich kenne die Person bereits aus einer anderen Serie, wo ich die schauspielerische Leistung sehr überzeugend fand. Insofern bin ich mal vorsichtig optimistisch, auch wenn ich gern noch mindestens eine weitere Staffel mit Peter Capaldi hätte. Ich bin aber auf jeden Fall gespannt, was Chris Chibnall aus der Serie machen wird. Seine Charaktere bei Broadchurch waren richtig gut geschrieben - was das betrifft, habe ich also große Hoffnungen.
Jetzt würde ich mir nur noch wünschen, dass Jack Harkness endlich mal wieder in der Serie auftaucht!


Update um 23:45

Ich werde mich nun ins Bett verabschieden. Am Abend hab ich noch eine Weile beim Hörbuch weitergehört und bin nun immerhin schon viereinhalb Stunden weit gekommen. Inzwischen zeigen sich auch Anflüge eines Plots. ;-) Mal sehen, wie es damit noch weitergeht und wie mir "Operation Red Jericho" weiterhin gefällt.

Ich hab zwar heute nicht sehr viel gelesen, aber dennoch wars ein netter Lese- und Kreativtag. Danke fürs Kommentieren und schlaft gut! 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Buchstabengeplauder #80

Der Juli hat uns in Wien bisher einen Wechsel aus Hitze und Unwettern beschert. Ich finde zwar die extremen Wetterwechsel etwas anstrengend, aber immerhin ist trotz heißen Tagen die Temperatur in der Wohnung noch in Ordnung (auf jeden Fall angenehmer als Ende Juni), da zwischendurch immer wieder mal ausgiebiges Lüften möglich ist. Auch auf meinem Balkon ist es abends an den meisten Tagen recht erträglich und so verbringe ich dort gerade viele gemütliche Lesestunden.

Die Kirschtomaten freuen sich über die vielen Sonnenstunden
 Zuletzt habe ich Karten von Simon Garfield ausgelesen, das sich mit der Geschichte der Kartografie beschäftigt und mir gut gefallen hat. Als ich es gestern in die Bibliothek zurückgebracht habe, wollte ich eigentlich nur ein, zwei Bücher mitnehmen, aber mir sind dann ein wenig die Pferde durchgegangen. Dieser kleine Stoß ist temporär bei mir eingezogen:


Cavaliersreise von Mackenzi Lee klang bei Winterkatze ganz unterhaltsam und Operation Red Jericho von Joshua Mowll stand wegen der ungewöhnlichen Gestaltung schon lang auf meiner Liste. Cocktails von Pamela Moore habe ich dieses Jahr bereits einmal angelesen und ganz interessant gefunden; Kosmologie für Fußgänger von Harald Lesch und Jörn Müller durfte ebenfalls mit, da es ein sehr kurzweiliges Buch über Astronomie sein soll. Und schließlich habe ich durch Zufall noch Humboldts letzte Reise von Vincent Froissard und Étienne Le Roux erspäht - eine Graphic Novel, die ich vor kurzem auf meine Wunschliste gesetzt hatte.
Da ich nicht geplant hatte, mich so gut einzudecken, war ich nur mit einem recht kleinen Rucksack unterwegs, in dem sich außerdem schon andere Sachen befanden. Kennt jemand die Szene aus "Gilmore Girls", in der Rory eine ganze Reihe von Büchern in ihrem Schulrucksack unterzubringen versucht? Alle, die sie nicht kennen, können sie hier sehen (es lohnt sich):



Daran musste ich gestern auf jeden Fall denken, als ich meinen Rucksack viermal ein- und ausgepackt habe, bis schließlich doch noch alle Bücher darin Platz gefunden haben. ;-)

Aber ich bin nicht nur mit Lesen beschäftigt: voriges Wochenende war ich mit einer Freundin im Germanischen Gehöft Elsarn, einem kleinen aber feinen Freilichtmuseum.


Bücher, Ausflüge, Balkonernte - alles in allem kann der Sommer von mir aus gern so weitergehen!