Mittwoch, 30. August 2017

Frances Hardinge - The Lie Tree


erschienen bei Macmillan
woher: Hay-on-Wye Booksellers 


Die dreizehnjährige Faith zieht mit ihrer Familie auf eine abgelegene Insel. Ihr Vater, ein bekannter Wissenschaftler, soll dort archäologische Ausgrabungen leiten, aber der wahre Grund für den überstürzten Aufbruch ist ein Skandal rund um die Forschungen ihres Vaters. Faith will diesen Gerüchten zwar keinen Glauben schenken, merkt aber bald, dass ihr Vater einiges zu verbergen scheint.

"The Lie Tree" ist ein sehr faszinierender und ungewöhnlicher phantastischer Roman. Er ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt und Frances Hardinge erweckt die viktorianische Gesellschaft sehr überzeugend zum Leben. Tatsächlich handelt es sich auch großteils um einen historischen Roman und die phantastischen Elemente sind nicht nur geringer, als man anfangs vermuten könnte, sondern auch äußerst originell. Wer also einen phantastischen Jugendroman sucht, der sich mal ganz abseits der bekannten Pfade bewegt, ist hier bestens aufgehoben.

Auch die Protagonistin Faith ist eine sehr ungewöhnliche Heldin. Sie erscheint zunächst noch wie das typische rebellische Mädchen, das selbst eine Naturforscherin werden möchte, aber vom Rollenbild der viktorianischen Gesellschaft daran gehindert wird. In Faith steckt aber nicht nur deutlich mehr als das "ungezähmte Mädchen", es fehlt auch jede Romantisierung dieses Konflikts, wie man sie sonst mitunter findet. Es gibt keinen weisen Mentor, der Faith unter die Fittiche nimmt, keinen leidenschaftlichen Bewunderer. Sie muss sich nach außen hin stets verstellen und ist weitgehend auf sich alleine gestellt. Das macht den Roman mitunter zu einer recht beklemmenden Lektüre. Es gibt für Faith keine Vertrauensperson, noch nicht einmal eine Ansprechperson, und das macht sie misstrauisch, abweisend und zeitweise auch sehr rücksichtlos.

Allgemein ist "The Lie Tree" ein sehr düsterer Roman - dafür sorgt auch das titelgebende Hauptthema rund um Lügen und Betrug. Ich weiß, dass ich mich sehr kryptisch ausdrücke, möchte hier aber einfach nicht mehr von der Handlung verraten, da das sonst einen großen Teil der Spannung und der Überraschungen nehmen würde. 
Für einen Jugendroman ist "The Lie Tree" auch erstaunlich brutal, nicht, weil irgendwelche Gewaltorgien stattfinden, sondern weil Handlungen hier oft zu sehr schlimmen Konsequenzen führen. Das hat mir sehr gut gefallen - nicht nur, weil es realistisch ist, sondern auch, weil man sich dadurch beim Lesen nicht in Sicherheit wiegen kann. Ich hatte bei diesem Buch nicht das sichere Gefühl, es würde ja ohnehin alles gut werden und das wiederum fand ich ungemein spannend.

Frances Hardinge erzählt in "The Lie Tree" eine fesselnde Geschichte, die wenig Klischees bedient und mit einigen ungewöhnlichen Ideen punkten kann. Wer nach entspannender Wohlfühllektüre sucht, wird hiermit aber vermutlich nicht glücklich werden.

Sonntag, 27. August 2017

Bücherdorf Hay-on-Wye

Knapp 1.600 Einwohner, aber über 20 Buchhandlungen und Antiquariate? Das ist "town of books" Hay-on-Wye in Wales, direkt an der Grenze zu England. Das Dorf selbst besteht seit dem Mittelalter und nahm seinen Anfang als Bücherdorf in den 60er Jahren mit der Eröffnung von Richard Booths Antiquariat.
Auf der Website von Hay-on-Wye kann man sich einen Folder herunterladen, auf dem alle Buchhandlungen auf einer Karte eingetragen sowie kurz beschrieben sind. 

Backfold zwischen Oxford Street und Castle Street
"Murder and Mayhem" in der Lion Street
Hay Castle
Bücher zum Mitnehmen bei Hay Castle
Ich war mit meiner Nichte im August in Hay - wir haben vor knapp zwei Jahren beschlossen, dass wir dort mal hin müssen und nun hat es endlich geklappt. Aufgrund der eher schlechten Busverbindungen von Cardiff aus hatten wir etwa viereinhalb Stunden Zeit, was uns vorher genug vorkam, aber rückblickend muss ich sagen, dass wir mehr Zeit gebraucht hätten. Unser Besuch dort war ziemlich überwältigend und leider auch ein wenig stressig. Wir waren in fünf Buchhandlungen und haben dazwischen nur mal eine kurze Essenspause gemacht (im "The Granary", das sehr zu empfehlen ist).
Es gibt in Hay eine ganze Reihe von Buchhandlungen/Antiquariate, die auf bestimmte Sachgebiete oder Genres spezialisiert sind. Wir waren aber vor allem in den Läden, die mehr oder weniger alle belletristischen Genres angeboten haben. Im Folgenden möchte ich euch kurz die Buchhandlungen vorstellen, in denen wir waren. Leider habe ich nicht alle fotografiert und leider habe ich oft auch keine besonders guten Fotos, da es schwierig war welche zu machen, ohne dabei fremde Personen zu fotografieren.

Greenway's Corner Bookshop
Eins der eher kleinen Antiquariate, aber vollgestopft mit Büchern. Es gibt hier ziemlich viel Fantasy und Science Fiction, aber auch andere Genres wie Krimis und Klassiker sowie Sachbücher vor allem (aber nicht nur) über Sport. Gut geeignet zum gemütlichen Stöbern.



Hay-on-Wye Booksellers
Hier gibt es neben Secondhandbüchern auch viele neue Verlagsbücher zum halben Preis und eine recht große Auswahl an Jugendliteratur. Gut geeignet für alle, die nach günstigen Büchern suchen, vor gebrauchten Exemplaren aber eher zurückschrecken.

Richard Booth's Bookshop
Eine riesige Buchhandlung, die alles zu bieten hat, was das Herz begehrt, sowohl neue Bücher zum regulären Preis als auch gebrauchte Exemplare. Es gibt Sachbücher zu allen Themengebieten und Belletristik aller Genres. Vermutlich eine gute Anlaufstelle, wenn man nach bestimmten Büchern sucht, aber auch geeignet zum spontanen Stöbern (nur sollte man dann viel Zeit einplanen).




The Addyman Annexe und Addyman Books
Im Addyman Annexe gibt es einerseits eine ganze Reihe von alten und seltenen Ausgaben von Klassikern, andererseits auch viele neue Verlagsbücher zum halben Preis. Nicht nur für Klassikerfans geeignet, sondern auch, wenn man auf der Suche nach Gegenwartsliteratur ist.
Addyman Books war vermutlich die schönste Buchhandlung, die wir in Hay besucht haben. Da wir zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so viel Zeit übrig hatten (und auch unsere Tasche schon voll mit Büchern waren), habe ich hier weniger auf die Titel geachtet, sondern mehr auf die Einrichtung.




"Scott's Hut" mit Büchern über Polarforschung und andere Expeditionen


Ich kann Hay-on-Wye allen Bücherfans ans Herz legen, empfehle aber, sich für einen Besuch dort viel Zeit zu nehmen oder aber genau im Voraus zu planen, welche Buchhandlungen man aufsuchen möchte und welche Bücher man sucht.
Ich habe nach den paar Stunden dort das Gefühl, dass ich von Hay noch nicht genug gesehen habe und gerne noch einmal für einen längeren Besuch dort hinfahren würde - vielleicht auch zum berühmten "Hay Festival of Literature and Arts", das jährlich für zehn Tage im Mai/Juni stattfindet.


Samstag, 26. August 2017

Juli Zeh - Unterleuten

erschienen bei Luchterhand


Unterleuten ist ein Dorf in Brandenburg, das sich für einige Aussteiger aus der Stadt als ländliche Idylle präsentiert, auch wenn bei den Alteingesessenen einige Konflikte unter der Oberfläche schwelen. Als eine Investmentfirma einen Windpark in Unterleuten errichten will, kommen nicht nur die alten Streitigkeiten an die Oberfläche, sondern es entstehen auch neue Konflikte mit den Hinzugezogenen, die mit den Dorfstrukturen noch nicht vertraut sind. Und so ist es mit jeglicher Idylle schnell vorbei.


Juli Zeh hat mit "Unterleuten" einen großartigen Gesellschaftsroman geschaffen, in dem sie mit großer Beobachtungsgabe das Porträt eines kleinen Dorfes zeichnet. Dabei schlüpft sie in die Köpfe verschiedener Dorfbewohner, die alle ihre ganz eigene Sicht auf die Ereignisse haben. Ich finde es nicht nur beeindruckend, wie glaubwürdig die Autorin die unterschiedlichen Perspektiven schildert, sondern auch, dass ich auf eine gewisse Weise für alle Beteiligten Verständnis aufbringen konnte. Es gibt kein Schwarz-Weiß, keine Gut-Böse-Zeichnungen - selbst, wenn kurzfristig ein solcher Eindruck entsteht, wird das wieder relativiert, sobald man in eine andere Perspektive wechselt.
Im Zentrum des Konfliktes stehen Großgrundbesitzer Gombrowski und überzeugter Kommunist Kron (Erzfeinde schon seit DDR-Zeiten), um die herum sich ein kompliziertes Geflecht an Beziehungen und Abhängigkeiten gebildet hat. An diesem fragilen Geflecht beginnen nun die Neuankömmlinge zu zerren: der Vogelschützer Gerhard Fließ, der mit seiner deutlich jüngeren Frau von der ländlichen Idylle träumt, und die junge Pferdenärrin Linda Franzen, die sich auf gefährliche Machtspiele einlässt, um ihre Ziele zu erreichen.

Diese vier könnte man vielleicht als Hauptakteure bezeichnen, aber Juli Zeh lässt auch noch eine ganze Reihe von weiteren Figuren zu Wort kommen.
In den ersten Kapiteln hatte ich mit dieser Erzählform noch kleine Anlaufschwierigkeiten, da einem viele Namen und Hintergrundgeschichten in recht schneller Abfolge präsentiert werden. Aber als ich mich erst einmal etwas eingelesen hatte, konnte ich das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen.

Faszinierend ist auch, dass Unterleuten gleichermaßen realistisch wie überspitzt dargestellt wird. Auf der einen Seite haben all die Konflikte, die im Laufe des Romans bis hin zu Gewalttätigkeiten ausufern, etwas ironisches, sogar karikierendes. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wieviel Wahrheit in allen diesen Situationen und Figuren steckt.
Trotz der leichten ironischen Distanz hat mich der Roman sehr tief hineingezogen und mitgerissen. Es fällt nicht schwer, mit beinahe allen Beteiligten mitzufiebern und mitzufühlen und auch für das Dorf Unterleuten selbst habe ich eine gewisse Sympathie entwickelt.

Der Schreibstil ist für Juli Zeh eher untypisch, wenn man ihn mit ihren früheren Romanen vergleicht. Keine Spur mehr von überbordenden Metaphern, Rätselhaftigkeiten und kunstvollen Satzgebilden. "Unterleuten" ist stattdessen in einer sehr nüchternen und pointierten Sprache geschrieben. Mir haben bisher fast alle Romane von Juli Zeh gut gefallen und obwohl ihre früheren deutlich sperriger zu lesen waren, mochte ich gerade ihre ungewöhnliche, teils überbordende Sprache. Ich denke aber, dass ich diese "neue Zeh", die sich auch schon in Nullzeit angekündigt hat, noch lieber mag. "Unterleuten" liest sich sehr flüssig, sehr mühelos und konzentriert sich noch stärker auf Figuren und Handlung, ohne aber zu schlicht oder gar banal zu klingen.

Wäre der Roman alleine nicht schon ein Meisterwerk, so würde er spätestens mit dem umfangreichen Hintergrundmaterial zu einem werden. So findet man im Internet nicht nur eine Website zu Unterleuten mit Flurplan und Personenbeschreibungen, sondern auch zahlreiche andere Webauftritte, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lassen: die Windkraftfirma Ventodirect inklusive Kontaktformular, das Unterleutener Dorflokal Märkischer Landmann mit Speisekarte und schließlich der Vogelschutzbund Unterleuten samt Foto von Gerhard Fließ. 
Dazu kommt noch das Buch "Dein Erfolg" von Manfred Gortz, das sozusagen die Bibel von Linda Franzen darstellt und dementsprechend häufig im Roman zitiert wird. Trotz Autorenseite und Videos im Netz merkt man nach einiger Recherche, das hier manches etwas seltsam ist und es sich bei Manfred Gortz wohl um ein Pseudonym von Juli Zeh handelt. Ein perfektes Verwirrspiel also.

Mein Fazit: ein grandioses Buch und dementsprechend eine klare Leseempfehlung von mir!

Montag, 21. August 2017

Heinrich Böll - Wanderer, kommst du nach Spa ...


erschienen bei dtv
woher: Buchandlung Kuppitsch

Neyasha und die Nobelpreisträger


Diese Kurzgeschichtensammlung enthält 25 Erzählungen von Heinrich Böll, die zwischen 1947 und 1950 entstanden sind. Zeitlich sind sie alle während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt, gehören also der sogenannten "Trümmerliteratur" an.


Die Geschichten sind in einer knappen, nüchternen Sprache geschrieben und daher leicht zu lesen, wenn sie auch inhaltlich harter Tobak sind. Heinrich Böll schreibt von Soldaten in der Fremde, von Sterbenden, von desillusionierten Heimkehrern und von Männern, denen die Jugend geraubt wurde. Interessant fand ich den sehr privaten Blick auf den Krieg; die Sicht der einfachen Soldaten, die ganz auf die momentane Situation konzentriert ist und jegliche Weltpolitik ausspart. Wüsste man nicht, dass Böll Deutscher war und würden nicht ab und zu kleine Details einen Anhaltspunkt bieten, könnte dies ebensogut ein anderer Krieg und die Soldaten anderer Nationalität sein. Gerade diese enge Sichtweise macht die Geschichten daher sehr zeitlos und allgemeingültig.

Wie bei der Thematik zu erwarten, ist die Stimmung düster und es gibt kaum jemals einen Hoffnungsschimmer in den Erzählungen. Es ist also eine sehr bedrückende Lektüre und das wird meiner Meinung nach noch dadurch verschärft, dass sich im Laufe der Zeit eine gewisse Eintönigkeit einstellt. Vielleicht haben mir deshalb die ersten und letzten Geschichten am besten gefallen, während ich diejenigen des Mittelteils als etwas zäh empfunden habe.
So eindrücklich Heinrich Böll auch den Alltag des Krieges beschreibt, hätte ich doch die Sammlung gelungener gefunden, wenn sie weniger Erzählungen beinhalten würde. So wiederholen sich die Themen, die Handlungen und auch die Figurendarstellungen.
Apropos Figuren: Die meisten Kurzgeschichten sind in der Ich-Perspektive verfasst, einige auch in der 3. Person, wobei ich letztere teils als interessanter empfunden habe. 

"Wanderer, kommst du nach Spa ..." ist eine erschütternde Lektüre und vermittelt ein sehr eindrucksvolles Stimmungsbild. Es macht erwartungsgemäß keine Freude, diese Erzählsammlung zu lesen, aber die Lektüre lohnt sich trotz einiger Längen und Redundanzen.

Sonntag, 20. August 2017

Buchstabengeplauder #82

Hier ist es nun schon wieder eine Woche lang verdächtig still gewesen und das liegt daran, dass ich kurz nach meiner Rückkehr vom Urlaub in Großbritannien zu einer Dienstreise nach Norwegen aufgebrochen bin: Ich war vergangene Woche von Dienstag bis Donnerstag bei einer Konferenz in Bergen und bin dann nach Oslo weitergefahren, wo ich in einigen sehr interessanten Bibliotheken war und auch noch ein bisschen Sightseeing angehängt habe.

Wer es noch nicht weiß: Ich liebe Oslo abgöttisch. 2005 habe ich dort ein Semester lang studiert und vermisse die Stadt seitdem sehr. 2010 war ich im Mai für ein paar Tage dort (damals vor allem zwecks Recherchen für meine Doktorarbeit); sonst war ich aber leider in den letzten Jahren nie in Norwegen. Oslo zu besuchen war daher ein bisschen die Büchse der Pandora zu öffnen - und natürlich waren die zwei Tage dort viel zu kurz. Ich habe einige meiner früheren Lieblingsorte aufgesucht und so schön das auch war, hat das die Sehnsucht eher noch vergrößert.


Ich werde in den nächsten Wochen ein paar Eindrücke aus Bergen und Oslo sowie die noch fehlenden Impressionen aus Hay-on-Wye immer wieder mal dazwischenstreuen, damit das hier nicht gänzlich zum Reiseblog wird. ;-)
Was ich euch aber jetzt schon zeigen kann, sind meine SuB-Zugänge - jaaa, noch mehr Lesestoff, aber diesmal sind es etwas andere Bücher:


Ihr seht vielleicht schon, dass es sich dabei in erster Linie um Ausstellungskataloge handelt. Hansesatic Sites, Routes and Monuments habe ich im hanseatischen Museum in Bergen gekauft und es ist eher ein Nachschlagewerk als zusammenhängende Lektüre, da darin alle bisher bekannten Hansestädte und -kontore aufgelistet und beschrieben werden.
The Viking Invader beschreibt die Wikingerzeit im Stil einer reißerischen Zeitung. Mir ist das Heft schon in Roskilde aufgefallen, aber obwohl ich die Idee so witzig fand, habe ich es nicht gekauft. Das habe ich später bereut und deshalb habe ich in Oslo den Museumsshop im Vikingskipshuset aufgesucht - und bin prompt fündig geworden. 
Arctic Pioneers - The Voyage of the Belgica 1897-99 und Roald Amundsen and the Exploration of the Northwest Passage habe ich in meinem Lieblingsmuseum, dem Fram-Museum, entdeckt, da es dort einen Abverkauf von Ausstellungskatalogen gab. Die Kataloge waren unschlagbar günstig und es hätte noch einige gegeben, die mich sehr interessiert hätten, aber da ich nur mit Handgepäck unterwegs war, musste ich mich sehr zurückhalten. Ja, ich und meine Obsession mit Polarforschung. "Arctic Pioneers" habe ich übrigens schon gelesen und fand es sehr interessant.

Apropos schon gelesen: Ich habe in Norwegen auch schon den ersten meiner walisischen Neuzugänge ausgelesen und zwar The Lie Tree von Frances Hardinge, das mir sehr gut gefallen hat.

Winterkatze veranstaltet heute wieder einen sommerlichen Lese-Sonntag und ich habe überlegt, ob ich mich nach meiner Rückkehr noch anschließe, aber da ich bereits um vier Uhr in der Früh für meinen Flug aufstehen musste, bin ich ziemlich müde und muss mich etwas aktiver beschäftigen als mit Lesen - sonst schlafe ich wohl schlichtweg ein. 
Ich wünsche aber allen, die teilnehmen, schöne Lesestunden!

Sonntag, 13. August 2017

Impressionen aus England und Wales

Von 4. bis 10. August war ich mit meiner Nichte in Großbritannien. Wir haben zuerst für zwei Tage eine Bekannte in Tenbury Wells, einem kleinen Städtchen in Worcestershire, besucht und sind dann mit dem Zug nach Cardiff weitergefahren. Dort haben wir uns nicht nur die Stadt angesehen, sondern auch Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Außer Penarth und Caerphilly haben wir auch das Bücherdorf Hay-on-Wye besucht, das ich aber in einem separaten Beitrag vorstellen werde.

Wir hatten eine tolle und sehr abwechslungsreiche Zeit in Cardiff. Das Wetter war einigermaßen gnädig zu uns - wir hatten zwar nur selten Sonnenschein, aber zum Glück auch nur ab und zu Regen.
Ich kann im Grunde alles von dem, was wir uns angesehen haben, empfehlen, aber die Highlights waren neben Hay-on-Wye meiner Meinung nach Penarth Pier und Caerphilly Castle. Sehr schön war auch die Doctor Who Experience, die aber leider mit 7. September 2017 schließen wird.

Die folgenden Fotos sollen euch einen kleinen Eindruck von unserer Woche vermitteln:


Bei unserer Bekannten am Stadtrand von Tenbury Wells




Bei der Tenbury Countryside Show 




Blick auf die Stadt Ludlow



Cardiff Bay

Roald Dahl Platz


Gedenktafel bei Ianto's Shrine (Cardiff Bay war Drehort der Serie "Torchwood")

Doctor Who Experience






Auf dem Weg von Cardiff Bay nach Penarth



Penarth Pier




Mit dem Bus durch den Nationalpark Brecon Beacons



Cardiff Castle 





Llandaff Cathedral



Caerphilly Castle



 

Samstag, 12. August 2017

Walisischer Bücherzuwachs

Spätabends am Donnerstag sind meine Nichte und ich von unserem Urlaub in England und Wales zurückgekehrt. Da ich noch am Sichten der vielen Fotos bin und nicht weiß, wie ich alles zusammenfassen soll, ohne euch in den nächsten Tagen ganz damit zu erschlagen, beginne ich meinen Reisebericht mit meiner Bücherausbeute.


Wir waren am Dienstag im Bücherdorf Hay-on-Wye - einem kaum 2000-Seelen-Dorf mit über 20 Buchhandlungen/Anitquariaten - und haben uns dort sehr ausgiebig mit Büchern eingedeckt. Eindrücke aus Hay werden die nächsten Tage noch folgen; nun geht es erst einmal um die Bücher:


Ihr seht: Es ist ein ziemlicher Stapel geworden. Ich glaube nicht, dass ich jemals so viele Bücher in so kurzer Zeit gekauft habe, aber ich hatte diesmal auch gar nicht vor, mich große einzubremsen. Zugegeben, mein Einkauf in Hay war nicht sehr zielgerichtet und geplant. Zwar hatte ich ein paar Bücher meiner Wunschliste im Kopf, die nur noch gebraucht erhältlich sind, aber als ich diese nicht gefunden habe, habe ich letztendlich sehr spontan zugegriffen. Die Bücher haben großteils zwischen 2 und 4 Pfund gekostet; vielleicht hätte ich mit Preisvergleichen zwischen verschiedenen Antiquariaten günstiger aussteigen können, aber darauf hatte ich schlichtweg keine Lust (zumal wir aufgrund der schlechten Busverbindungen zwischen Cardiff und Hay auch nicht so viel Zeit dort hatten).

Und nun zu meiner Ausbeute im Detail:

Victoria Hislop - Cartes Postales from Greece
Das erste Buch ist eines, das ich nicht in Hay gekauft habe, sondern im Waterstones in Cardiff. Es geht darin um eine Frau, die jede Woche eine Postkarte aus Griechenland von einem unbekannten Absender bekommt und letztendlich selbst zu einer Reise nach Griechenland aufbricht.
Das Buch klingt nach einer richtig schönen Sommerlektüre und ist auch schön gestaltet mit blauem Buchschnitt und vielen Fotos.

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses
Vor Jahren habe ich von Susanna Kearsley ein Buch gelesen, das ich sehr mochte ("Mariana"). Als ich daher ein sehr gut erhaltenes Exemplar eines Romans von ihr erspäht habe, war gleich mein Interesse geweckt. Es soll eine Mischung aus Mystery, Fantasy und Romance sein; als ich dann noch Schottland, Archäologie und neunte Legion gelesen habe, musste ich zugreifen.

Sharon Shinn - Mystic and Rider
Auch auf dieses Buch bin ich durch die Autorin (mir haben The Shape-Changer's Wife und Summers at Castle Auburn sehr gut gefallen) aufmerksam geworden. Dieser Roman dürfte eher klassische High Fantasy sein; leider habe ich erst nach dem Kauf gemerkt, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt.

Nevil Shute - A Town Like Alice
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Titel von der BBC Big Read-Liste. Mit Alice ist dabei die australische Stadt Alice Springs gemeint. Der Roman ist teils in Australien, teils in Malaysia zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt.

Amie Kaufman & Jay Kristoff - Illuminae
Dieser Roman ist schon länger auf meiner Wunschliste, da er sehr faszinierend gestaltet ist (eine Collage aus E-Mails, Protokollen, Interviews, etc.). Inhaltlich weiß ich nicht sehr viel mehr, als dass die zwei Hauptfiguren auf einem Raumschiff von einem Planeten evakuiert werden, auf dem Krieg ausgebrochen ist.

Frances Hardinge - The Lie Tree
Mir wurde zwar nicht dieses Buch, aber die Autorin von Birthe empfohlen, daher habe ich zugegriffen, als ich dieses schöne Cover gesehen habe. Ich habe den Roman gleich in Wales zu lesen begonnen und bisher ist er sehr interessant. Es geht um die Tochter eines Archäologen, die mit ihrer Familie auf eine abgelegene Insel zieht, um einem Skandal rund um die Forschungen ihres Vaters zu entkommen. Der Roman ist im 19. Jahrhundert angesiedelt, enthält aber phantastische Elemente.

Louisa May Alcott - Little Women
Hierzu muss ich wohl nicht viel schreiben. Ein absoluter Klassiker, den ich schon längst einmal lesen möchte (bisher kenne ich nur die Verfilmung).

Joan Aiken - The Wolves of Willoughby Chase
Ein Kinderbuchklassiker in einem alternativ-historischen Setting, auf den ich durch Fire and Hemlock aufmerksam wurde.



Soweit also mein SuB-Zuwachs aus dem Urlaub. Nun bräuchte ich am besten gleich noch einmal Urlaub, um all die Bücher zu lesen. 

Und das ist übrigens die Ausbeute meiner Nichte (man sieht, wir haben uns nicht gerade gegenseitig aufgehalten):


Dienstag, 1. August 2017

Buchstabengeplauder #81 - Unternehmungen zum Urlaubsbeginn

Urlaub! :-)

Vergangenen Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag für zwei Wochen und am Samstag ging es gleich mal zu meiner Familie. Dort habe ich den ganzen Nachmittag lesend im Garten verbracht - ich hatte Unterleuten von Juli Zeh mit dabei, das mir nach einem etwas zähen Einstieg nun sehr gut gefällt. Am Abend habe ich mit meiner Nichte stundenlang über Bücher geredet, ehe wir gemeinsam die letzten Folgen des neunten und die ersten Folgen des zehnten Doctors miteinander angeschaut haben (meine Nichte bereitet sich auf die "Doctor Who Experience" in Cardiff vor). Ach, es ist so schön, nicht mehr der einzige Nerd in der Familie zu sein!

Am Sonntag habe ich dann mit einer Freundin einen Ausflug nach Steyr gemacht. Wir waren zuerst im sehr interessanten Museum Arbeitswelt, das wir bei dem heißen Sommerwetter ganz für uns allein hatten, und sind dann noch durch die Stadt gebummelt. Steyr liegt am Zusammenfluss der Enns und der Steyr und hat eine sehr schöne Altstadt - wenn es euch also mal nach Oberösterreich verschlägt, solltet ihr euch die Stadt nicht entgehen lassen.



Am Nachmittag haben wir dann die Geburtstage meiner Neffen gefeiert und spontan ein kleines Sommer"kino" im Garten aufgebaut - bei einer Fußball-EM nicht nur ins Viertelfinale zu kommen, sondern dieses sogar zu gewinnen, ist schließlich für Österreich alles andere als üblich. Das hat sogar die Fußballmuffel der Familie wie mich mitgerissen (während ein paar Fans, die sonst kaum ein Spiel auslassen, wenig Interesse gezeigt haben - ist ja "nur" Frauenfußball %-)).

Nach diesem sehr ausgefüllten Wochenende bin ich dann gestern noch nach Salzburg gefahren, wo ich mit einer Freundin den Tag mit einem gemütlichen Frühstück im "The Heart of Joy" begonnen habe.


Gut gestärkt sind wir dann zu einer Wanderung durch die Glasenbachklamm aufgebrochen. Da wir bei der falschen Busstation ausgestiegen sind, hatten wir zuerst aber einen strammen Fußmarsch in der prallen Sonne zu bewältigen. Als wir dann eineinhalb Stunden später verschwitzt und erschöpft in der Klamm angekommen sind, wurden wir immerhin von kühlem Schatten belohnt.
Der Weg durch die Klamm war sehr schön und spannend: Die Glasenbachklamm hat neben einer malerischen Landschaft auch alte Felsformationen aus dem Mesozoikum zu bieten.


gefaltete Kalkschichten

roter Knollenkalk über grauem Hornsteinknollenkalk

Am Abend ging es dann nach Wien zurück, wo ich von der drückenden Hitze in der Stadt schier erschlagen wurde. Nun heißt es also, diese Temperaturen irgendwie bis Freitag zu überleben (und mich bei 37 Grad noch zu einer Putzaktion aufzuraffen), ehe es dann in die West Midlands von England sowie nach Wales geht.
Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage noch ein paar ausstehende Rezensionen schreiben werde, aber spätestens ab Freitag ist es hier also erst einmal für eine Woche still.

Wie war euer Wochenende? Und was sind eure Überlebensstrategien für dieses Wetter (sofern es bei euch ebenfalls so heiß ist)?